Ferien gibt es nur im Sommer

Von Renate Bühler. Aktualisiert am 30.03.2009

Dürfte sie nicht aufs Eis, würde sie «kribbelig», sagt die 21-jährige Dominique Slongo. Die zweite Schweizer Nationaltorwartin spielt seit ihrem 6. Lebensjahr Eishockey – auch in einem Männerteam.

Dominique Slongo, das Gesicht hinter der Goalie-Maske des Schweizer Eishockey-Nationalteams. (Adrian Moser)

Dominique Slongo, das Gesicht hinter der Goalie-Maske des Schweizer Eishockey-Nationalteams. (Adrian Moser)

Am kommenden Sonntag um 17 Uhr geht es los: Dann spielen die Frauen vom Schweizer Nationalteam im finnischen Hämeenlinna ihren ersten diesjährigen Weltmeisterschaftsmatch gegen die Eishockeyanerinnen aus Kasachstan.

Zweiter Goalie des Schweizerinnenteams ist eine junge Rüfenachterin: Dominique Slongo, Studentin der Sportwissenschaften und der Psychologie. Grosse Chancen auf den Weltmeisterinnentitel rechnet sie sich nicht aus: «Im Frauen-Eishockey laufen die Kanadierinnen und die US-Amerikanerinnen quasi ausser Konkurrenz.» Die Bronzemedaille wiederum «wäre schön, aber realistisch gesehen wird es sehr schwierig». An der letzten WM verloren die Schweizerinnen das Spiel um den dritten Platz. Die Schweizerinnen sind derzeit Nummer 5 der Weltrangliste; die Schwedinnen und die Gastgeberinnen aus Finnland werden ihnen nichts schenken. «Aber ein dritter Platz ist heute nicht mehr undenkbar – wenn alles stimmt und das Team auch das nötige Glück hat.» Allerdings seien die Skandinavierinnen im Vorteil, weil sie über deutlich mehr Mittel verfügten und auch häufiger Nati-Trainings hätten als die Schweizerinnen.

Dominique Slongo ist quasi auf dem Eis aufgewachsen: «Auf den ,Schlöf‘ stehe ich, seit ich Laufen gelernt habe», erzählt sie. Mit fünf Jahren habe sie erstmals zum Hockeystock gegriffen. «Mein Bruder spielte Eishockey; ich schaute zu, war immer dabei, und irgendwann wollte ich auch mitmachen.»

Seither lebt Slongo fürs Eishockey: Um möglichst viel Zeit für ihre Trainings und Spiele zu haben, absolvierte sie das Sportgymnasium; mit einer Studienzeitverlängerung schafft sie sich heute Raum für den Sport. Im Goal steht die junge Frau seit ihrem zehnten Lebensjahr: «Diese Position hat mich von Anfang an fasziniert – es ist speziell, quasi als Einzelspieler doch in einer Mannschaft mitmachen zu können. Manchmal heisst es, der Goalie sei die halbe Mannschaft. Es ist sicher ein wichtiger Posten, man trägt eine hohe Verantwortung fürs Team.» Im Tor steht sie auch bei den Damen des DHC Langenthal und bei den Junioren Top des EHC Brandis – in einem Männerteam. Nächstes Jahr wird sie auch Ersatztorwart der ersten Liga sein. Eigentlich dürfen Eishockeyspielerinnen ab dem Alter von 20 Jahren nicht mehr mit Männern zusammen aufs Eis: Anders als den männlichen Kollegen ist den Eishockeyanerinnen nämlich Körperkontakt verboten. Da Torwarte aber ohnehin nicht «gecheckt» werden dürfen, kann diese Position auch im Männereishockey mit Frauen besetzt werden.

Fünf Trainings pro Woche

Das Körperkontaktverbot findet Dominique Slongo nicht nötig: «Es gibt heute mehr Spielerinnen unter 20, die bei den ,Giele‘ spielen», sagt sie. Diese jungen Frauen seien sich das «Checken» gewöhnt – ebenso wie das höhere Tempo und die etwas härtere Gangart bei den Männern. «Die Technik ist bei den Frauen heute genauso gut wie bei den Männern.» Ihre eigene Technik trainiert Dominique Slongo fünf mal pro Woche. «Und am Wochenende habe ich dann im Winter jeweils zwei Spiele, eins mit den Frauen und eins mit den Männern. An manchen Wochenenden spiele ich gar dreimal.» Für weitere Hobbys bleibt da keine Zeit. Klar auch, dass Dominique Slongos Freundeskreis primär aus Eishockeyspielerinnen und -spielern besteht. «Dafür habe ich dann gleich eine ganze Mannschaft», sagt sie lächelnd.

«Wenn ich im Winter nicht aufs Eis dürfte, würde ich ,kribbelig‘», sagt sie. Im Sommer aber habe sie durchaus Gelegenheit zur Entspannung, etwa bei einem guten Buch. «Zwischendurch braucht man doch einfach Erholungszeit, sonst ist man dann erschöpft, wenn es darauf ankommt, also im Winter. Und das darf nicht sein.» (Der Bund)

Erstellt: 30.03.2009, 01:16 Uhr