Nach der Olympiaqualifikation 2004 in letzter Sekunde und dem Aufstieg in die
A-Gruppe 2005 hätte Turin 2006 ein weiterer Höhepunkt werden sollen. Doch die
Schweizer Frauen verfehlen ihre Zielsetzung.
Beat Moning, Turin
Die Schweizer Eishockey-Frauen erlebten gestern einen bitteren Rückschlag auf
ihrem Weg an die Weltspitze. Nach der 2:6-Niederlage gegen Russland spielen
die Schweizerinnen am Montag um den zweitletzten Platz. «Wir haben unser Ziel
verfehlt und sind entsprechend bitter enttäuscht», erklärte Tina Schumacher
kurz nach Spielschluss. Den entscheidenden Doppelschlag im zweiten Drittel
innert 65 Sekunden war für die Lysserin «eine Folge der mangelnden
Konzentration. Danach sind wir praktisch eingebrochen und am Ende fehlt die
Kraft.»
Auf Ersatzbank verbannt
Die fehlte auch, da Trainer René Kammerer die Kräfte konzentrierte. Mit Folgen
auch für Tina Schumacher, die im zweiten und dritten Drittel nur noch zu je
drei Einsätzen gekommen war. Gar nicht mehr gespielt hat im letzten Abschnitt
Captain Ramona Fuhrer, die beim 0:1 die Russin nicht halten und beim 1:2 die
Gegnerin am Passen nicht hindern konnte. Immerhin stand sie beim 1:1 auf dem
Eis. «Ja, das ist im Teamsport so. Wenn es nicht läuft, muss man über die
Klinge springen. Aber ich fühlte mich schon den ganzen Tag nicht besonders
gut. Das war dann halt die Folge davon.»
Von einem völlig verpatzten Olympiaauftritt wollen die beiden Seeländerinnen
nicht sprechen. «Wir haben uns viel vorgenommen und sind ansprechend
gestartet. Ich denke, wir sind trotz allem bereit gewesen», glaubt Tina
Schumacher. Bestätigt aber, dass möglicherweise der knappe 1:2-Misserfolg
gegen Deutschland (als Schumacher das einzige Tor schoss und Fuhrer beim
zweiten Gegentreffer auf der Strafbank sass) die Moral etwas gebrochen habe.
Als grösstes Manko bezeichnet Schumacher die mangelnde Chancenauswertung.
Über die Bücher gehen
«Wir wollen erhobenen Hauptes aus diesem Turnier», blickt Ramona Fuhrer voraus
und hofft, dass das Team doch noch zu einem Erfolgserlebnis kommen wird.
«Platz sieben entspricht unserer Klassierung, mehr wäre sicher Zugabe gewesen,
da Deutschland und Russland meiner Meinung nach trotz Vorteilen in unserer
Reichweite liegen.»
Ob 7. oder 8. Platz, die Schweiz wird über die Bücher gehen müssen. «Realität
ist, dass bei uns das Fraueneishockey keinen guten Stellenwert hat, dass die
Teams spätabends trainieren müssen und wir wenig Geld und Zeit haben,
Zusammenzüge zu organisieren, um uns als Team und individuell
weiterzuentwickeln. Das muss sich ändern, wollen wir uns weiter der Weltspitze
nähern», spricht Trainer Kammerer deutliche Worte.
Karrierenende?
Ob Tina Schumacher und Ramona Fuhrer ihre lange Karriere fortsetzen werden,
zumindest bis zu den gross angekündigten Weltmeisterschaften im nächsten Jahr
im Eishockeyland Kanada, ist offen. Schumacher: «Der Aufwand ist enorm und ich
weiss wahrlich nicht, ob ich dies noch einmal alles auf mich nehmen will.»
Fuhrer: «Ich bin noch in der Weiterbildung und auch für mich ist es sehr
aufwändig geworden. Aber vielleicht packt es mich im Sommer wieder.»
Info: Captain Ramona Fuhrer über die Olympia-Enttäuschung, Entwicklung im
Fraueneishockey und persönliche Zukunft im Olympia-Audio-Blog des «Bieler
Tagblatt» über www.bielertagblatt.ch

Ramona Fuhrer denkt über den Rücktritt nach.